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Ein Mops, ein Wal, ein Direktor

Emilie und Poldi und Matti

Matti Bunzl leitet das Wien Museum am Karlsplatz. Sein Leben kreist jedoch seit jeher um den Praterstern. Dort wird es auch von seinem geliebten Hund bestimmt.

Matti Bunzl im Wien Museum
„Da kann ich mich so hinstellen, dass er und ich gut im Bild sind“: Matti Bunzl und Wal Poldi im Wien Museum.

Wenn der Direktor des Wien Museums gefragt wird, wo er sich am liebsten für „Zwischenbrücken“ fotografieren lassen würde, kommt seine Antwort ohne Zögern. „Vor dem Praterwal, da kann ich mich auch so hinstellen, dass er und ich gut im Bild sind“, sagt Matti Bunzl und findet den Ort goldrichtig.  Denn sowohl er als auch der Wal kommen aus dem zweiten Bezirk, beide unweit des Wiener Pratersterns.

„Die größte Attraktion“

Was die riesige Blechskulptur betrifft: Sie schmückte bis 2013 die Fassade des „Gasthaus zum Walfisch“ im Wiener Wurstelprater, wurde beim Abbruch des Gebäudes demontiert und landete auf dem Lagerplatz eines Abrissunternehmens, wo es nach ein paar Jahren zufällig entdeckt, gerettet und dem Wien Museum vermacht wurde (Zwischenbrücken berichtete).

Im Zuge des Umbaus und der Neugestaltung des Museums am Karlsplatz bekam der blecherne Riese eine neue Bestimmung. Er wurde über das einst offene Dach in die Haupthalle gehievt, Poldi getauft und ist seitdem das Maskottchen, das über den Köpfen der Besucher und Besucherinnen schwebt. „Er ist die größte Attraktion“, sagt der Museumsdirektor stolz.

„Sehr, sehr Anti-Auto“

Und dass er von dort kommt, wo Matti Bunzl aufgewachsen ist, ist ein schöner Zufall. „Mein Leben hat sich mit einer Unterbrechung immer rund um den Praterstern abgespielt“, sagt er und meint konkret die Franzensbrückengasse, wo er schon immer wohnt. „Mein Großvater hat diese Wohnung für meine Eltern gekauft, als ich ‘unterwegs‘ war“, erzählt er.

Weil sein Vater und seine Mutter berufstätig waren, ging Bunzl in die Ganztagesschule in die Aspernallee. „Ich bin mit meinen Freundinnen noch mit der Straßenbahn A vom Nestroyplatz aus bis zum Stadion gefahren“, erinnert er sich „und von dort zu Fuß weiter.“ Bunzl ist ein glühender Fan der öffentlichen Verkehrsmittel und bis heute „sehr, sehr Anti-Auto.“

Wasserspiel am Praterstern
Wasserspiel am Praterstern. Die Umgestaltung des Platzes wertet Bunzl als „sehr erfreulichen Schritt“. Foto: Bernhard Odehnal

Vielleicht liegt das auch daran, dass die Franzensbrückengasse eine Art Zubringerautobahn zur Lände ist – und ständig verstaut. Und jetzt setzt sich Matti Bunzl für ein paar Minuten die Brille des Historikers und Stadtarchitekten auf, um die großen Zusammenhänge in ein paar Sätze zu gießen. Der Praterstern war seinem Ursprung nach ein Ort, an dem fünf Straßen zusammenliefen, „ein Stern ohne jede Auto-Idee“ und Eingang zum Prater, der einst herrschaftliches Jagdgebiet war und 1766 von Joseph II. der Bevölkerung als Erholungsraum zugänglich gemacht wurde. Das neue Erholungsgebiet lockte viele Menschen an.

Furchterregende Unterführungen

Der Praterstern sei aber durch die Tatsache, dass dort für die Autos ein Kreisverkehr errichtet wurde zum Unort geworden, sagt Bunzl. Dass er als Kind immer durch die furchterregenden und stinkenden Unterführungen gehen musste, wenn er den Praterstern überqueren wollte, sei ein Aspekt davon. Dass diese Tunnel mittlerweile fast alle verschwunden sind, sei ein Segen und seit es den Bahnhof gibt, frequentieren täglich zirka 110.000 Menschen den vom Autoverkehr umbrandeten Platz.

Matti Bunzl und Hund „Emilie“ am Praterstern
„Emilie wie Emilie Flöge“ heißt der Mops von Matti Bunzl. Hier sitzen sie in der Aida beim Praterstern. Foto: privat

Die Neugestaltung des Platzes wertet Bunzl deshalb als einen erfreulichen Schritt in Richtung Lebensqualität für die Menschen. „Wir sind sehr Grätzel bezogen“, sagt er und meint sich selbst, seinen Mann und „unsere Kleine“, einen Mops mit dem Namen Emilie, Betonung auf der zweiten Silbe. „Emilie wie Emilie Flöge“ präzisiert Bunzl und meint die Wiener Modeschöpferin und Lebensgefährtin von Gustav Klimt.

„Wir mögen Rituale“

Jedenfalls wird der geliebte Hund täglich in der Praterhauptallee zum Spaziergang ausgeführt, wann umgedreht wird, „bestimmt sie“, so Bunzl. Sein Nachsatz: „Wir sind gerade alle drei dabei, ein wenig sportlicher zu werden.“ Und: „Wir mögen Rituale“, sagt Bunzl und meint die Samstagvormittage am Karmelitermarkt, die Restaurantbesuche in der Praterstraße und das Kuchenessen in der Aida am Praterstern.

Die Konditorei war für ihn schon als Jugendlicher ein Fixpunkt und dann 24 Jahre nicht mehr, denn zwischen 1990 und 2014 lebte Bunzl in den Vereinigten Staaten. Warum er Wien verlassen hat? „Es war die Waldheimzeit“, sagt er, meint den aufkeimenden Antisemitismus, sein Fernweh und eine unbedingte Faszination für die USA. Nach seinem Studium startete er eine erfolgreiche akademische Karriere als Kulturanthropologe an der University of Illinois in Urbana-Champaign.

Der Walfisch wird über den Praterstern transportiert
Im April 1951 wird der Walfisch über den von Kriegsschäden gezeichneten Praterstern in den Wurstelprater gefahren. Foto: YouTube (Screenshot)

Dass er trotzdem zurückgekommen ist, hatte mit der Ausschreibung des Jobs als Direktor des Wien Museum und Nachfolger von Wolfgang Kos zu tun. „Was hätte es Besseres für mich geben können“, sagt Bunzl: „Ich habe das Glück, die Jobs, die ich machen darf und durfte, immer zu lieben.“

Ein paar Bars und ein Sex-Shop

Und so ist er in die Franzensbrückenstraße zurückgekehrt, wo seine Nachbarn zu einem überwiegenden Teil immer noch die sind, mit denen er aufgewachsen ist. Gentrifiziert wurde hier an der Grenze zum dritten Bezirk eigentlich nichts. „Es ist viel zu wenig schick hier,“ sagt er. Und ja, früher war es tatsächlich vielleicht mehr auch ein Rotlichtviertel, „aber davon sind nur ein paar Bars und ein Sex-Shop übriggeblieben.“

„Städte verändern sich“, weiß Matti Bunzl und hat die Dokumentation der Stadtgeschichte zu seiner Berufung gemacht. Deshalb ist der Stadtwal auch ein perfektes Objekt im Museum. Dass Poldi diesen Ort gar nicht mehr verlassen kann, ist seiner Größe geschuldet. „Zweifle nie, dass das, was wir tun, bedeutsam ist“, ist ein Leitspruch von Matti Bunzl. Der Wal ist ein gutes Beispiel dafür.

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    Ein Artikel von Karin Pollack
    Karin Pollack
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