„Jeder Waggon hier ist ein kleiner Botschafter“, sagt Stephanie Kneissl und zeigt auf den kleinen Modellbahnzug, der vor ihr seine Runden dreht. Hinter zwei Diesellokomotiven hängen 38 Güterwagen. Und jeder Wagen ist ein kleines Kunstwerk. Auf einem Waggon fährt eine Maus aus Filz, auf einem anderen eine japanische Winkekatze, es gibt Blumen oder ein Miniaturhaus auf Rädern. Oder eine Tafel mit der simplen Aufschrift: „No bullshit“.
Mit Hilfe von „Märklin“
„Nächster Halt – next stop“ heißt diese Installation. Sie ist während der Vienna Design Week in der Engerthstraße 124 beim Verein „Design in Gesellschaft DING“ zu sehen. Seit fünf Jahren gibt es die Ateliergemeinschaft in dem verträumten Innenhof in der Brigittenau. Wo früher die Limonade „Wiener Gold“ produziert wurde, werden heute im Keller Buntbarsche gezüchtet (Zwischenbrücken berichtete) und im ersten Stock Plakate, Möbel, Kostüme und viel mehr entworfen.
Für die diesjährige Design Woche wollten Stephanie Kneissl, Franz Ehn und ihre Kolleginnen und Kollegen von DING besonders viele Beispiele von Design aus ganz Europa zeigen. So kamen sie auf die Idee, einen Modellbahnzug zusammenzustellen. Unerwartete und großzügige Unterstützung fanden sie bei der Modellbahnfirma „Märklin“. Die stellten ihnen Lokomotiven, Waggons, Gleise zur Verfügung.

Die Waggons wurden dann an 40 Designerinnen und Designer geschickt, mit der Bitte um eine Kostprobe ihrer Arbeit. Und egal ob in Wien, Brüssel oder Paris: Fast alle machten mit und schickten ihre teils aufwändig gestalteten Eisenbahnwagen zurück in die Engerthstraße. So gibt der Zug auf kleinstem Raum einen guten Einblick in die Welt europäischen Designs. „Wir wussten aber nicht, was kommt“, erzählt Franz Ehn: „Das machte das Auspacken besonders spannend. Es war jedes Mal fast wie Weihnachten.“
Eine Tapete als Felswand
Gleichzeitig baute das DING-Team in der ehemaligen Produktionshalle für Limonade eine etwa acht Meter lange Modellbahnanlage. Die ist zwar nicht mit den großen Anlagen von richtigen Modellbahnern wie im Prater oder am Mexikoplatz vergleichbar. Aber immerhin: Aus Tapetenbahnen Marke „graue Felswand“ wurden Berge gebaut, es gibt eine Brücke, es gibt einen im Kreis fahrenden Miniatur-Traktor und eine rotierende Tunnelbohrmaschine. Und es gibt den immerhin viereinhalb Meter langen Zug, der hier langsam seine Runden dreht.
Die Vienna Desing Week dauert bis 4. Oktober. Bei DING überlegt man aber, die Design-Waggons länger rollen zu lassen. Schon aus psychologischen Gründen. Denn die Modellbahn habe einen beruhigenden Effekt, findet Stephanie Kneissl: „Man schaut dem Zug zu und ist sofort entspannt.“
Die Vienna Design Week beginnt am Freitag, 25. 9. und läuft bis zum 4. Oktober.
„Nächster Halt – next stop“ bei Design in Gesellschaft: 1200, Engerthstraße 124
Opening am 25. 9., 18 bis 23 Uhr
Weitere Öffnungszeiten:
26.–27.9.2026, 14–18 Uhr
30.9.2026, 11–19 Uhr
1.–2.10.2026, 11–16 Uhr
3.–4.10.2026, 14–18 Uhr
Cocktail am 2.10.2026 von 18–23 Uhr
DING: https://designingesellschaft.com
Vienna Design Week 2026: https://www.viennadesignweek.at








