„Der Karmelitermarkt ist ja unser verlängertes Wohnzimmer“, sagt Andreas Kous: „Da ist es selbstverständlich, dass wir die Saison hier eröffnen.“ Am 10. Juni ab 21 Uhr zeigt das VOLXkino auf dem Platz neben den Marktstandln den spanisch-französischen Film „Sirât“. In dem Spielfilm von 2025 sucht ein Vater nach seiner Tochter, die auf einer marokkanischen Raveparty verschwunden ist.
Schmerz und Extase
Es ist eine „spirituelle Reise durch Schmerz, Stille und Ekstase, getragen von hypnotischen 16mm-Bildern und einem treibenden Soundtrack“ heißt es im Begleittext auf der Webseite des VOLXkinos. Kein Blockbuster also, keine leichte Kost. Stattdessen Kino, wie es Andreas Kous besonders schätzt: Eine „Grenzerfahrung – roh, intensiv und zutiefst menschlich“.
Kous gestaltet das Programm des ältesten Freiluftkinos der Stadt. Gespielt wird jeden Sommer seit 1990 an Orten, die sonst wenig mit Kino zu tun haben: Marktplätze, Gemeindebauhöfe, Parks und Passagen. „Es hat etwas Guerillamäßiges, und ist doch klassisches Wanderkino“, findet Magdalena Mayer, die für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.
In 15 Wochen durch 22 Bezirke
Dieses Jahr zieht die Kinotruppe mit einem Lastwagen, Leinwand, Projektor und hundert Plastiksesseln bis zum 19. September durch alle Bezirke. Besser gesagt: durch fast alle Bezirke, denn „in der Inneren Stadt haben wir noch nie gespielt“, sagt Kous. Im 2. und 20. Bezirk stehen nach dem Saisonauftakt mehrere Vorführungen auf dem Programm: am Volkertmarkt, am Wallensteinplatz, am Nordwestbahnhof und noch zweimal am Karmelitermarkt.
Die Beziehung zur Leopoldstadt ist besonders eng. Denn ein paar Meter vom Karmelitermarkt entfernt, in der Großen Sperlgasse, hat der Verein „VOLXkino“ sein Büro. Zwischen Regalen mit Filmrollen, Plakaten, CDs und einem alten Popcorn-Automaten werden hier Projekte geschmiedet, Partnerschaften organisiert, Spielorte gesucht, hier wird um Sponsoren gebuhlt und das nächste Programm zusammengestellt.

Dass das VOLXkino kaum Blockbuster zeigt, hat einerseits einen ganz banalen Grund: Die großen Verleihe „geben keine Filme für Vorführungen bei freiem Eintritt her “, sagt Programmgestalter Andreas Kous. Andererseits ist ihm das ganz recht, denn er lege besonderen Wert auf Qualität: „Wir wissen, was wir zeigen. Wir kennen uns aus.“ Gezeigt wird also unter anderem ein dänischer Dokumentarfilm über einen russischen Lehrer, der Widerstand gegen das Regime leistet („Ein Nobody gegen Putin“). Oder am Nordwestbahnhof ein Film über eine Schweizer Architektin, die als „Pionierin der Nachhaltigkeit“ gilt.
„One battle after another“
Mit den Jahren konnten sich die Filmvorführer ein Stammpublikum aufbauen, das nicht nur die Vorführungen in der Nachbarschaft besucht. „Die Leute ziehen mit uns mit und entdecken so spannende, ihnen bisher unbekannte Orte in der Stadt“, sagt Magdalena Mayer. An populären Orten wie dem Karmelitermarkt kommen bis zu 300 Personen, und das „auch bei schwierigen Themen der Filme“. Wenn am Stadtrand hingegen nur 150 kommen, „ist das für uns auch schon ein Erfolg.“
Publikumshits bietet das VOLXkino jedoch ebenfalls. Dieses Jahr zum Beispiel Richard Linklaters Hommage an die „Nouvelle Vague“, und am Tag danach Jean-Luc Godards Meisterwerk „Außer Atem“. Als krönender Abschluss im September folgt Paul Thomas Andersons Oscar-prämierter Spielfilm „One battle after another“. Der wird allerdings weit weg von Zwischenbrücken gezeigt – am Roten Berg in Hietzing.
Programm: https://www.volxkino.at/programm








