Natürlich mache sie sich sehr große Sorgen, sagt Maria Fuchs. Denn die Gefahr „betrifft ja nicht nur meine Gäste, sondern auch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Fuchs betreibt in der Leopoldstadt die beliebte Pizza Mari, an der Ecke Leopoldsgasse und Schwarzingergasse. Nur 30 Meter vom Lokal entfernt steht das alte Schulhaus, das nun abgerissen wird (Zwischenbrücken berichtete). Als Erstes werden in diesen Tagen die Dachplatten abgetragen. Und die enthalten hochgiftiges Asbest.
Asbest auch in den Fensterbänken
Dass das Schuldach auf einer Fläche von 370 Quadratmetern mit asbesthaltigen Eternitplatten gedeckt ist, wissen die zuständigen Behörden seit mindestens einem halben Jahr. Das geht aus Dokumenten hervor, die Zwischenbrücken über ein Ansuchen nach dem Informationsfreiheitsgesetz IFG von der Magistratsabteilung 56 (Schulbau) nun erhalten hat. Demnach wurde Asbest nicht nur am Dach, sondern auch im Inneren des Gebäudes, in Fensterbänken aus Zement und bei Rohrdichtungen im Keller gefunden.
Im Bericht über die Schad- und Störstoffe im Schulgebäude vom 3. Februar 2026 legt die für Baumanagement zuständige MA 34 nicht nur die Asbestfunde offen. Sie gibt bereits klare Anweisungen, wie das giftige Material zu entfernen sei: Die Eternitplatten müssten „zerstörungsfrei“ vom Dach zu entfernt und dann entweder in Folien verpackt oder in einer geschlossenen Mulde abtransportiert werden.

Die Abtragung der Dachplatten hat in den ersten Augusttagen begonnen, mitten in der größten Hitzewelle. Fotos, die Ende vergangener Woche von Nachbarhäusern aus gemacht wurden, zeigen Arbeiter in rotem Schutzanzügen und FFP2-Masken auf dem Dach. Sie zeigen aber auch zerbrochene Eternitplatten, die offen in der prallen Sonne liegen.
Ahnungslos im Gastgarten
An diesem Freitag wehte über Wien ein Wind aus Südost mit Spitzen bis zu 25 km/h. Der Gastgarten der Pizza Mari neben der Schule war seit 12 Uhr Mittag geöffnet und wie immer sehr gut besucht. Weder die Gäste, noch die Mitarbeiter:innen, noch die Besitzerin wussten zu diesem Zeitpunkt von den Asbest-Arbeiten am Dach nebenan. Maria Fuchs hat davon erst später in einer von Anrainer:innen gegründeten WhatsApp-Gruppe erfahren. Sie wisse zu wenig, um die Gefahr durch Asbest einschätzen zu können, sagt Fuchs: „Aber es betrifft uns direkt und es gibt dazu keine Informationen. Weder für Anrainer noch für Unternehmerinnen.“

Barbara Cäcilia Supper-Schmitzberger wohnt im Nachbarhaus der Schule und kann von ihrem Fenster aus den Abbruch live verfolgen. Dass nebenan gesundheitsgefährdendes Asbest verbaut worden war, erfuhr sie und alle anderen Anrainerinnen und Anrainer erstmals Mitte Juni.
Warnung im Bezirksparlament
Damals sprach eine Abgeordnete der Neos in der Leopoldstädter Bezirksratssitzung von „gesundheitsgefährdendem Asbest“ in der Schule Schwarzingergasse. Weitere Informationen waren aber nicht zu bekommen „Unsere Sorgen wurden nicht ernst genommen“, sagt Supper-Schmitzberger. Sie findet es zudem als absolut unzumutbar, „dass jetzt die Arbeiter bei über 40 Grad ohne Seilsicherung am Dach arbeiten müssen“. Angeblich wurde deshalb die Baupolizei eingeschaltet.
Mehrere Anrainerinnen haben in den vergangenen Wochen über das Informationsfreiheitsgesetz Fragen zum Abbruch des Schulgebäudes und möglichen gesundheitlichen Gefahren gestellt. Die für Schulen zuständigen MA 56 hat ihnen geantwortet, zwar fristgerecht, aber erst nach Beginn der Abbrucharbeiten.
Ein mysteriöses Flugblatt
Dem Vorwurf, dass von Seiten der Gemeinde nicht informiert werde, entgegnet die MA 56 mit der „gelebten Praxis“, Anrainer:innen mittels Postwurfsendungen und Informationstafeln zu informieren. Als Beweis ist der IFG-Antwort ein Flugblatt in pdf-Format beigefügt. Darauf wird über die Abbrucharbeiten „bis voraussichtlich November 2026“ informiert. Dabei könne es „zeitweise zu Lärm-und Staubbelastungen“ kommen. Asbest wird im Text nicht erwähnt.
Das Flugblatt sei im Juni im Grätzl verteilt worden, behauptet die MA 56. Nachbarinnen und Nachbarn der Schule Schwarzingergasse sagen jedoch einhellig, dass sie diesen Zettel noch nie zuvor gesehen hätten. Zwischenbrücken hat seit Mitte Mai mehrmals über den geplanten Abbruch berichtet und ist seither mehrmals pro Woche vor Ort. Das Flugblatt der Stadt Wien war aber auch uns bisher unbekannt.

Dass die Gemeinde Wien nun behauptet, sie habe ohnehin rechtzeitig informiert, sorgt für noch mehr Empörung in der Nachbarschaft. Barbara Cäcilia Supper-Schmitzberger findet es „gelinde gesagt eine Frechheit, jetzt im August zu behaupten, die Infos seien eh im Juni rausgegangen.“
Abbruch kostet 700.000 Euro
Konkreter wird die MA 56 in ihrer Antwort laut Informationsfreiheitsgesetz hingegen bei Kosten und Zeitplan des Abbruchs. Und die ist durchaus überraschend. In einem Bericht von „Mein Bezirk“ im Juli 2026 werden die Kosten für den Abriss des Schulgebäudes mit 480.000 Euro angegeben. Nun schätzt die Magistratsabteilung jedoch die Gesamtkosten bereits auf „rund 700.000 Euro brutto“. Zudem würden die Abbrucharbeiten länger als geplant dauern - bis mindestens Dezember 2026.






