Gastro am Ende
Aus für das Engländer am Praterstern

Der Leopoldstädter Ableger des beliebten Innenstadt-Cafés wird nach dem tragischen Tod des Besitzers nicht mehr aufsperren. Die Zukunft des markanten Gebäudes ist offen. 

Café Engländer am Praterstern
Am Eingang des „Engländer am Praterstern“ informiert ein Zettel, dass das Lokal „aufgrund eines Todesfalls“ bis 12. 7. geschlossen bleibt. Tatsächlich sperrte es nie wieder auf.

Es sei ein Platz „mit sehr guter Energie“. So lobte Christian Wukonigg im Oktober 2023 den Praterstern. Damals eröffnete der bekannte Gastronom in der ehemaligen Polizeistation den „Engländer am Praterstern“. Es sei die logische Weiterentwicklung seines gleichnamigen Lokals in der Innenstadt, sagte Wukonigg damals in einem Gespräch mit der „Presse“. 

Zu wenig „gute Energie“

Wukonigg starb Anfang Juli 2026. Seine Lokale im ersten und im zweiten Bezirk blieben ein paar Tage geschlossen. Das Engländer in der Postgasse sperrte danach wieder auf und ist heute wieder so gut besucht wie zuvor. Der Ableger am Praterstern aber ist bis heute zu. „Und das wird auch so bleiben“, versichert ein Kellner in der Postgasse. Auf eine Anfrage per Mail nach den Gründen reagierte das Team des Engländer nicht. 

Von der so „guten Energie“ des Pratersterns konnte das Lokal offenbar nie profitieren. Der Gastgarten unter einem mächtigen Götterbaum war zwar charmant, vor allem nach dem jüngsten Umbau des Platzes mit mehr Grün und einem Wasserspiel. Im Frühjahr 2024 suchten Bürgermeister Michael Ludwig und der mittlerweile zurückgetretene Wirtschaftskammerboss Walter Ruck den Engländer am Praterstern sogar für ihre traditionelle Eröffnung der Schanigartensaison aus. 

Bürgermeister Michael Ludwig und Walter Ruck 2024 im Engländer am Praterstern.
Ein Bild aus besseren Zeiten: 2024 ließen sich Bürgermeister Ludwig und sein Buddy Walter Ruck im Gastgarten des Engländer am Praterstern fotografieren. Foto: Stadt Wien / Bubu Dujmic

Aber auch der prominente Besuch half nicht. So richtig voll war das Lokal nie. Die Einnahmen konnten offenbar die Kosten nicht ansatzweise decken. Die öffentlich einsehbare Bilanz der Betreibergesellschaft weist für das Jahr 2024 einen Verlust von rund einer halben Million Euro aus. 

Auch Veggie-Lokal scheiterte

Dabei ist der Engländer nicht das erste Lokal, das an diesem Verkehrsknotenpunkt scheitert. Die Polizei hatte das Gebäude schon 2014 geräumt und war in ein Bürohaus in der Lassallestraße 1 übersiedelt. 2015 tauchten die ersten Pläne für einen Ableger der damals sehr beliebten, vegetarischen „Yamm”-Lokale auf. Doch der Umbau verzögerten sich immer wieder. Im September 2022 zog schließlich ein Veggie-Lokal ein, das zur Yamm-Gruppe gehörte, allerdings den Namen „Pure“ bekam. 

Schon dieser Gastrobetrieb tat sich an dem Standort zwischen Kreisverkehr und Straßenbahngleisen überaus schwer. Viel Publikum hatte das Pure nie und sperrte bereits knapp ein Jahr nach der Eröffnung schon wieder zu. Die Bilanz für das einzige Betriebsjahr, 2023, weist einen Verlust von rund 800.000 Euro und Schulden von fast vier Millionen Euro aus. 

Schnitzel und Gulasch

Engländer-Chef Wukonigg sah trotzdem großes Potential. So wie viele kenne er das Vorurteil vom Praterstern als sozialer Brennpunkt, zitierte ihn im Oktober 2023 die „Presse“: „Ich bin dann aber hergekommen, hab es mir angeschaut und war innerhalb kürzester Zeit von dem Platz eingenommen.“ 

Gastgarten des Engländer am Praterstern
Der Gastgarten unter dem riesigen Götterbaum war im Sommer durchaus beliebt und gut frequentiert. Jetzt steht er leer. Foto: Christopher Mavrič

Der frühere Umbau der Polizeistation für das „Pure“  - mit Eichenholz, Granit und vielen Öffnungen in der Fassade durch das Leopoldstädter Architektenbüro „KENH“ -  wurde für das neue „Engländer“ nur minimal adaptiert.

Die Speisekarte wurde jedoch vom Engländer in der Innenstadt übernommen. Auch am Praterstern konnte man jetzt nicht mehr nur Gemüse, sondern auch Schnitzel, Gulasch oder Backhendlsalat essen. „Innenstadt goes Praterstern“, schrieb der Falter zur Eröffnung: „Was dem Veggie-Konzept vor einem Jahr nicht gelang, versucht jetzt Wiens bestes Künstler-Café“. 

Jetzt, knapp zwei Jahre später, lässt sich sagen: Der Versuch ist gescheitert. Was nun mit der ehemaligen Polizeistation am Praterstern passiert, ist ungewiss. Ob das sternförmige Gebäude aus den 1980er Jahren an diesem Platz überhaupt noch gebraucht wird? Anders als in den Artikeln in der Presse und im Falter behauptet, steht es jedenfalls nicht unter Denkmalschutz. 

Ein Artikel von Bernhard Odehnal
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