Gold ist schwer. Gold ist weich. Gold ist wertvoll. Für die allermeisten Menschen ist Gold etwas Besonderes. Für Stefan Nikl hingegen ist es einfach ein Werkstoff. Den man schmelzen, gießen, fräsen, hämmern, feilen, schleifen, polieren und gravieren kann. Das tut er als Goldschmied beinahe jeden Tag. „Ich bin ein Handwerker aus Leidenschaft“, sagt er.
Große und kleine Ringe
Nikls Werkstatt in der Taborstraße liegt im ersten Stock. Unten im Erdgeschoß ist der Schauraum seines Geschäfts. Hierher kommen oft Menschen, die sich, vermutlich mit ein bisschen Herzklopfen, auf entscheidende Momente ihres Lebens vorbereiten. Dann öffnet Nikl seine Schatullen - zum Anschauen, Betasten und Ausprobieren.
Die Verlobungsringe stecken einzeln im Samt. Klassischerweise sind das schmale Goldringe mit einem oder mehreren kleinen Edelsteinen. In der Ehering-Schatulle hingegen stecken die Ringe immer paarweise drin; einer größer, der andere kleiner. Sie sind dick, dünn, glatt, rauh, dezent oder auffällig, in verschiedenen Farbnuancen - „mit Gold kann man vieles machen“, erklärt der Goldschmied.

An der Wand der Werkstatt lehnt etwa der Ast eines Ahornbaums. Er stammt aus dem Augarten. Der Abdruck der Rindenoberfläche ist mittlerweile ein Klassiker in Nikls Ehering-Kollektion. Kunden können zur Inspiration auch andere Materialien bringen: Holzstücke, Lieblingspflanzen, Steine aus dem Urlaub. Ein Paar brachte ihm ein Kletterseil und trägt jetzt Eheringe mit Seilstruktur. Die beiden hingen auf einer Bergtour in der Kletterwand, als sie den Beschluss fassten, für immer zusammenzubleiben. „In jedem Ring steckt eine persönliche Geschichte“, sagt Nikl. „Und unsere Aufgabe ist, sie einzufangen.“
Erbstücke werden umgearbeitet
Ein wichtiger Schwerpunkt seiner Arbeit ist daher auch die Umarbeitung von Familienerbstücken. In den Schubladen der jüngeren Generationen liegt oft Schmuck herum, der nie getragen wird, an dem man aber trotzdem hängt. Eine alte Brosche oder die Eheringe der Urgroßeltern in eine neue Form zu bringen, und ihnen damit ein zweites Leben zu schenken, ist da eine gute, nachhaltige Lösung, die immer beliebter wird. „Eigentlich schaffen wir gar nichts Neues“, sagt Nikl, „wir transformieren nur. Denn das Schöne am Gold ist: Es ist da, und bleibt. Und anders als Pelze oder Teppiche hat es auch immer seinen Wert behalten.“
Dem Alten eine neue Form geben: So ähnlich könnte man auch die Geschichte des Familienbetriebs erzählen. Sie begann mit Nikls Großvater unweit der Taborstraße, in der Blumauergasse. Nach mehreren Standortwechseln zogen die Eltern schließlich 1980 vom Lassingleithnerplatz in die Taborstraße 79, in das Haus der Familie von Stefans Mutter Doris Nikl. Hier wuchs der kleine Stefan mit seiner Schwester Eva auf, ging in der Vereinsgasse in die Volksschule, kaufte mit der Oma am Volkertmarkt ein und erinnert sich an das Spielzeuggeschäft an der Ecke, mit den Matchboxautos im Schaufenster.
Kindheit in der Werkstätte
„Es war nix los in der Gegend“, erzählt Nikl. „Im Augarten wurden wir Kinder immer aus der Wiese gestampert.“ Also vertrieb er sich die Zeit auch in der Werkstatt des Vaters. Er erinnert sich an den metallisch-chemischen Geruch, die Lötdämpfe, „geraucht wurde damals natürlich auch noch bei der Arbeit. Es war eine ziemliche Rauchkuchl da herinnen.“ Der mannshohe Safe, von dem er als kleiner Bub gern heruntersprang, ist heute noch in Verwendung, genauso wie einige der alten Maschinen.
An der Wand über der Computerecke hängen Kinderbasteleien. Das sind Stefans erste Designentwürfe als Sechsjähriger: Ohrgehänge mit bunten Perlen, dicke Ketten aus Plastilin. Seine Mutter hat sie gerahmt und aufgehängt. „Damals war Schmuck noch etwas Repräsentatives, zum Herzeigen“, lächelt Nikl.
Der Vater fertigte Schmuckstücke noch in Serie. Er arbeitete zeitweise mit vier oder fünf Leuten in der engen Werkstatt. Heute steht die individuelle Anfertigung im Mittelpunkt, und Nikl arbeitet mit einem Mitarbeiter und einer Teilzeitkraft.

Was hat sich denn sonst noch verändert an der Arbeit eines Goldschmieds?
Viel, was Design und Gestaltung betrifft. „Sobald ich herausgefunden habe, was ein Kunde will, geht ein Rendering am Computer ganz schnell, in mehreren Varianten. Dafür musste man früher viele Skizzen zeichnen.“ Viel verändert hat auch der 3D-Drucker, der ein Schmuckstück zuerst einmal in einer blauen Kunstharzversion zur Anprobe ausspuckt. Die Endfertigung hingegen ist bis heute klassisches Handwerk geblieben. „Und das wird sich auch so bald nicht ändern. Denn genau das wollen die Leute – etwas Persönliches, Handgemachtes, Echtes.“
Gold aus nachhaltigen Quellen
Aus demselben Grund ist es Nikl auch wichtig, ausschließlich mit Gold aus nachhaltigen Quellen zu arbeiten. Die Geschichte des Goldes ist ja eine Geschichte von Kriegen und Gewalt. Wegen der Gier nach Gold wurden Kontinente erobert und Völker versklavt. Bis heute geht die Goldwirtschaft in vielen Ländern mit Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen einher: Minenarbeiter werden oft ausgebeutet, die Profite befeuern den internationalen Waffenhandel.
Die „Goldschmiede Nikl“ hingegen bezieht ihr „Fairmined Eco Gold“ aus Peru, von Oro Puno in Ananea in der Region Puno, auf rund 4.500 Metern Seehöhe. Oro Puno ist eine Fairmined-Ecological-zertifizierte Kleinbergbauorganisation. Das Gold wird dort ohne Quecksilber und Zyanid gewonnen; die Fairmined-Zertifizierung umfasst darüber hinaus soziale, ökologische und wirtschaftliche Standards sowie die Rückverfolgbarkeit des Goldes.
„Da muss einfach alles stimmen“
„Mir ist das einfach wichtig, und unseren Kunden auch“, sagt Nikl. „Einen Ehering trägt man 24 Stunden am Tag, da muss einfach alles stimmen.“ Schließlich geht es um eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben. Um Intimität, Liebe, ein Versprechen ewiger Treue.
Und selbst wenn dieses Versprechen nicht ewig halten sollte, eine Ehe scheitert, oder sich irgendwann als Irrtum erweist - die Ringe, das Gold und sein Wert werden bleiben. Auf dass es die nächste Generation noch einmal versuchen kann.
Goldschmiede Nikl: 1020, Taborstraße 79
mail@nikl.at, Tel: 01 216 40 86
https://www.nikl.at








