Hol dir unseren Newsletter:
Jede Woche aktuelle Infos und Zwischentöne direkt in deine Mailbox.
Mahesh Kurra im Schutzhaus am Heustadlwasser
Er kam aus Hyderabad und durchlief so ziemlich alle Stationen der Wiener Gastronomie: Mahesh Kurra in seinem Schutzhaus am Rand des Praters.

„Obwohl ich ein Inder bin“

Vom Tellerwäscher zum Wirt: Mahesh Kurra führt seit März das Schutzhaus am Heustadlwasser. Sein Weg dorthin war alles andere als einfach.

Die Mittagsgäste sind schon gegangen, und der Wirt des Schutzhauses am Heustadlwasser kann kurz durchatmen. Denn er führt hier nicht nur das Lokal. Er ist auch der Koch. Mahesh Kurra, 1990 in der südindischen Metropole Hyderabad geboren, erzählt jetzt ruhig und präzise aus seinem an Stationen reichen Leben.

Viele Bewerbungen

Seit Anfang März 2026 führt Kurra das Schutzhaus. Dankbar sei er dem Vorstand des hiesigen Kleingartenvereins, der ihn aus dem größeren Kreis der Bewerber:innen ausgewählt und ihm die Pacht für das Schutzhaus übertragen habe, sagt er. Und fügt hinzu: „Obwohl ich ein Inder bin.“

Mahesh Kurra ist ein Gentleman, er spart sich daher jeden Kommentar über den Alltagsrassismus, den auch er seit nunmehr 13 Jahren in Wien zur Kenntnis nehmen muss. Er erzählt uns lieber über die netten Kleingärtner:innen am Heustadlwasser, die in ihm von Anfang an nur den Menschen sehen wollten, womit sie sich auch kulinarisch Gutes tun.

Nach Wien - der Liebe wegen

Sein Weg von der Technischen Universität der Millionenstadt Vijayawada in den Wiener Prater war so nicht geplant. Nach dem Studium begann Mahesh Kurra bei einer kleinen Baufirma zu arbeiten; wenig später verliebte er sich in eine Wienerin, die für eine Hilfsorganisation volontierte. Womit sein Weg nach Wien nachvollziehbar ist.

„Eigentlich wollte ich in Wien auch im Baugewerbe arbeiten“, erinnert sich der Ingenieur. Doch das untersagten ihm die hiesigen Behörden, weil man nach ihrer Überzeugung am Bau perfekt Hochdeutsch sprechen muss.

Großküche statt Baustelle

Was tun? Seine nunmehrige Frau, eine Lehrerin, konnte mit ihrem Gehalt die Familie nicht erhalten. Also fand der Inder einen Job, in der Hochdeutsch nicht zwingend erforderlich war. Nicht auf der Baustelle, sondern in einer Großküche: „Ich habe als Tellerwäscher beim ,Figls’ im 19. Bezirk begonnen.“

Vom Tellerwäscher zum Millionär? Für Herrn Kurra zählt Anderes: Bei seiner moderaten Preisgestaltung hat er sich an den klassischen Wiener Schutzhäusern orientiert, doch die Qualität seiner Speisen kann mit angesagten Wiener Innenstadtrestaurants durchaus mithalten.

„Das kann ich anbieten, weil ich selbst in der Küche stehe“, liefert der Koch-Wirt die Erklärung dafür. Dass „der Neue“ etwas draufhat, das hat sich im Kleingartenverein neben der Ostbahn bereits herumgesprochen. Das Gasthaus ist an diesem Montag mehr als gut besucht.

Das Schutzhaus am Heustadlwasser im Wiener Prater
Die Qualität der Speisen ist hoch, die Preise sind jedoch moderat: Der Gastgarten des Schutzhauses am Heustadlwasser. Foto: Christopher Mavrič

In der Gaststube blickt der Wirt noch einmal zurück: Nach eineinhalb Jahren als Tellerwäscher wird er in Döbling zur Küchenhilfe befördert, darf jetzt nicht nur Erdäpfel für den Salat schälen, sondern auch Salat machen. Und wenn Not an Personal ist, auch kochen und backen. Nach weiteren eineinhalb Jahren sehen umsichtige Chefitäten einen talentierten Koch in ihm.

Wunsch nach etwas Eigenem

Es folgen Stationen als Küchenleiter im „Motto am Fluss“, Sous Chef im Restaurant im Donauturm sowie im Wirtshaus „Marx“ in St. Marx. An dieser Weggabelung geht die Ehe von Mahesh Kurra auseinander, auch deshalb, weil er an fast jedem Wochenende arbeiten muss. „Etwas Anderes suchen, wieder bei Null beginnen, das wollte ich nicht“, erklärt der Gastro-Profi, während die ersten Gäste für das Nachmittagsgeschäft im Gastgarten Platz nehmen.

Dafür will er etwas Eigenes: „Wenn ich schon so viel in diesem Gewerbe von mir geben muss, dann möchte ich nicht für jemand anderen arbeiten, sondern für mich.“ Womit nun auch sein Weg in den Prater nachvollziehbar ist.

Gekommen um zu bleiben

Bis heute lässt sich sein berufliches Leben in Abschnitte von drei Jahren gliedern: Nach jeweils drei Jahren zog er weiter, zu neuen Ufern. Wird er in drei Jahren das Ufer des Heustadlwassers verlassen? Mahesh Kurra schüttelt energisch den Kopf. Nein! Die freundlichen Kommentare seiner Gäste, auch heute wieder, lassen ihn daran denken, länger zu bleiben.

Schön, wenn auch unbeabsichtigt ist die neue kulinarische Achse mit dem nicht allzu weit entfernten Schutzhaus auf der Wasserwiese, wo es in der Küche brasilianische Einflüsse gibt. Gut bei seinen Gästen kommen auch die indischen Abende an – mit Köstlichkeiten aus dem Süden des Subkontinents, verfeinert mit dem freundlichen Lächeln des Kochs.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Straßenzeitung „Augustin“ und wurde leicht angepasst.

Schutzhaus am Heustadlwasser: 1020, Stemmerallee 80
Öffnungszeiten: Mo - So 11.30 - 21 Uhr, Do Ruhetag.
Webseite:
 https://www.schutzhaus-heustadlwasser.at

Ein Artikel von Uwe Mauch
Uwe Mauch
Mehr über Uwe
Autor
Kontakt