Die Ausbildung am Funkgerät sei „ordentlich stressig“ gewesen, sagt Anja Appel: Das habe sie so nicht erwartet. Aber nun beherrscht die ehrenamtliche Mitarbeiterin der Pfarre das Gerät zumindest soweit, dass sie es im Ernstfall auch bedienen darf.
Ausfall aller Netze
Der Ernstfall – das wäre ein Stromausfall in der Stadt. Also nicht nur komplette Finsternis in der Nacht, sondern auch kompletter Ausfall des Internets und der Mobiltelefon-Netze. Was bleibt dann noch als Mittel der Kommunikation?
In den Räumen des katholischen Begegnungszentrums „FranZ“ in der Bruno-Marek-Allee hat Appel für solche Fälle nicht nur ein Funkgerät, sondern auch ein batteriebetriebenes Radio. Es gibt Batterien für eine Notbeleuchtung, es gibt Decken gegen die Kälte und auch einen Keks für die Nerven.
Hilfe, Wärme, Informationen
Denn käme es zu einem kompletten Stromausfall im Nordbahnviertel, würde das FranZ zu einer „Lichtinsel“. Hier könnten Menschen Hilfe und Wärme finden, oder auch Informationen austauschen.
Aber ist ein längerer Zusammenbruch des Energienetzes in einer gut organisierten Stadt wie Wien überhaupt vorstellbar? Zurzeit wohl nicht, antwortet Appel, „aber wir haben ja in Berlin gesehen, wie schnell das gehen kann“. Im Jänner 2026 waren nach einem Anschlag auf Kabelleitungen mehrere Teile der deutschen Hauptstadt ohne Strom. Über 100.000 Menschen hatten vier Tage lang weder Heizung noch Licht.

Die Wiener Lichtinseln wurde freilich schon vor dem Berliner Blackout erfunden. Im Frühjahr 2024 stellten die Stadt Wien und mehrere Religionsgemeinschaften das Konzept vor: Die katholische und die evangelische Kirche, die Caritas, die islamische Glaubensgemeinschaft, die israelitische Kultusgemeinde, Buddhisten und Sikhs stellen Räume zur Verfügung, die bei einem Blackout durch Laternen gekennzeichnet sind und von allen Menschen in der Nachbarschaft aufgesucht werden können.
Freiwillige gesucht
Das „FranZ“ gehört zur Pfarre „St. Johann Nepomuk“ auf der Praterstraße. Die Lichtinsel in der Bruno-Marek-Allee ist auf eine Initiative von Anja Appel hin entstanden. Nun sucht sie Menschen, die den Bereitschaftsdienst übernehmen. Denn es reicht ja nicht, ein Funkgerät und ein Batterieradio zur Verfügung zu haben. Im Ernstfall muss jemand da sein, der schnell zur Stelle ist, die Räumlichkeiten aufsperrt und die Geräte bedienen kann. Es muss also immer jemand zuständig sein, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.
Mit 15 Personen könnte sie einen Bereitschaftsdienst für ein Jahr einrichten, sagt Appel. Aber so viele Interessierte haben sich noch nicht gemeldet. „Ich hätte mit mehr Zuspruch gerechnet“, sagt die Initiatorin der Lichtinsel.
Wissen für den Ernstfall
Um das Konzept zu erklären und Interesse zu wecken, kommen am Montag, 21. September, von 17:30 bis 19:00 Uhr Fachleute vom Lichtinsel-Projektteam der Erzdiözese Wien und vom Krisenmanagement und Notfunkreferat der Stadt Wien ins FranZ. Sie werden über die Rahmenbedingungen einer Lichtinsel und über Unterstützungsmöglichkeiten informieren. Auch Bezirksvorsteher Alexander Nikolai wird erwartet. Für Anja Appel ist das Wichtigste, „dass die Leute mit dem Konzept Lichtinsel in Berührung kommen. Sie müssen ja im Ernstfall wissen, wohin sie sich wenden können.“
Informationsabend zur Lichtinsel Nordbahnviertel:
Montag, 21. 9., 17.30 bis 19 Uhr, im „FranZ“, Bruno-Marek-Allee 11
Weitere Informationen gibt es hier und hier.







