Mit DJ und Bademeister
Die Pratersauna ist wieder da

Neuer Pächter, neues Konzept und keine Verbindung zu Martin Ho: Rund ein halbes Jahr nach der Schließung sperrt der legendäre Club im Prater wieder auf. Aber findet er auch sein Publikum?

Niko Gutmann vor dem Pool seiner Pratersauna
„Anfang Juni habe ich mich in den Garten verliebt, schneller eröffnen war nicht möglich“, sagt der neue Pratersauna-Pächter Nikolaus Gutmann.

„Der Ort ist extrem sagenumwoben“, lächelt Nikolaus Gutmann, Gastronom und neuer Pächter der Pratersauna. Anfang Juni habe er den Garten gesehen und sich sofort verliebt. Dann musste alles ganz schnell gehen, um die Sommersaison nicht zu verpassen. Am Donnerstag war die offizielle Eröffnung des „Dayclubs Edison Pratersauna“ mit DJ, Bademeister und Liegestühlen. Trotz Übergangsjackenwetter kamen knapp hundert Neugierige, um die neue Pratersauna zu sehen.

Beachclubs als Vorbild

„Ich hoffe, dass kein böser Fluch drauf liegt“, schiebt Gutmann hinterher. Die Location ist legendär, aber seit Jahren schafft es niemand, sie dauerhaft erfolgreich zu bespielen. Mit neuem Konzept will Gutmann ein neues Publikum anziehen: In Wien fehle ein solches Beachclubkonzept bisher, in dem man tagsüber trinkt, feiert, abhängt oder schlicht gesehen wird: „Ich denke, klassische Nachtclubs funktionieren in Wien a la longue nicht mehr, weil der Nachwuchs ausbleibt”.

Vorbild sind Beachclubs wie es sie etwa in Barcelona gibt. Sieben Euro Eintritt kostet der Besuch in der Pratersauna, dafür bekommen Gäste DJ-Musik, das Schwimmbecken samt Bademeister, Sand und einen Beachvolleyballplatz.

Fast wie neu: Der Pool und die Rasenfläche waren im vergangenen Winter von Unbekannten verwüstet worden. Foto: Dominik Ritter-Wurnig.

Erst 2025 hat mit Sebastian Müller-Klasz ein junger Szenegastronom die Pratersauna übernommen und sich schnell eine blutige Nase geholt. Noch vor Silvester gingen die Lichter wieder aus, Zwischenbrücken berichtete damals als Erste über das (zwischenzeitliche) Ende des Lokals. Der letzte Aufguss war begleitet von öffentlichen Vorwürfen, Räumungsklagen und der Insolvenz zweier zentraler Unternehmen. Vor allem die Rolle von Martin Ho, dessen Firma die Location vom Eigentümer gemietet hatte, sorgte in der Wiener Clubszene für Augenrollen.

Design in Blau und Gelb

Nach dem Betriebsende kam es zu Vandalismus, Täter unbekannt. „Als wir hier angefangen haben, war es desaströs. Der Pool war die größte Baustelle“ sagt Gutmann. Der Bodenbelag war aufgeschlitzt worden, Steine lagen im Wasser, Waschbecken waren zerstört und Klimageräte entwendet.

Für die Eröffnung musste es schnell gehen, noch sind einige nackte Sperrholzwände zu sehen. Insgesamt ist das Design gelungen, die Farben Blau und Gelb dominieren, der Garten im Abendlicht gehört sicher zu den schönsten Locations Wiens. Nikolaus Gutmann betreibt unter dem Label Edison schon ein Catering und mehrere Lokale in Wien (Bundesbad Alte Donau, WKO Campus) und in Niederösterreich (unter anderem das Congress Center Baden).

Kukuruzzi fritti und Premium Fries

Kein Schwimmbad ohne Pommes. In der Pratersauna gibt es die frittierten Erdäpfel in Normal (5,90€), Premium (mit Trüffelmayonnaise, Grana-Käse und Jungzwiebeln; 7,50 €) und Beach (mit Avocado, spicy Mayonnaise und Jungzwiebel, 7,50€). Außerdem gibt es Burger in verschiedenen Farben und Geschmäckern sowie ausgefallenes Fingerfood.

Die Kukuruzzi Fritti (8,90€) zeigen sich als auf den Punkt gegrillte Maiskolbenstücke mit Limetten-Aioli. Dass man diese hinterher von Fingern abschlecken, stört im Schwimmbad gar nicht. Die Beef Tatar Rolls (15,90€) auf Hotdog-Brot schwimmen dafür in Sauce - der erste Eindruck: Ein Hotdog nur mit Topping. Der Geschmack ist blass und spicy bleibt ein Versprechen. Die große Getränkekarte lässt niemanden durstig, das Krügerl kommt auf 5,90€ und liegt damit mittlerweile wohl knapp über dem Wiener Durchschnittspreis.

Die Bar neben dem Pool bietet eine umfangreiche Getränkekarte. Foto: Dominik Ritter-Wurnig

Aber egal, ob man isst oder nur trinkt: Der Eintritt ins Lokal kostet 7 Euro. Ob das nicht eher abschreckend auf Menschen wirkt, die nach der Arbeit einfach noch ein Bier trinken wollen? Und lohnt sich ein Besuch, auch wenn das Wetter nicht zum Baden im Pool einlädt?

Nikolaus Gutmann gibt seinem Projekt erst einmal zehn Wochen Zeit. Bis Ende September will er herausgefunden haben, ob sich in Wien ein Publikum für einen Beachclub findet. Geöffnet hat der Dayclub Edison jeweils Donnerstag bis Sonntag, von 12 bis 22 Uhr bei gutem Wetter. Die Innenräume werden zunächst nicht bespielt, im Winter soll es einen Christkindlmarkt geben. Davon hatte aber auch schon der letzte Pächter gesprochen.

„Nett hier, aber...“

Am Eröffnungstag ist das Wetter wechselhaft, baden will keiner der Gäste. Die meisten hat die Neugierde hierhergebracht. „Es ist nett hier, ich mag so eine Stimmung, aber ich weiß nicht genau, was ich mit dem Eintritt finanziere”, sagt die Claudia D.. Nett was trinken, könne sie auch woanders. „Sieben Euro Eintritt hält vielleicht den Pöbel ab und das spricht die G’spritzten an“, glaubt die NGO-Mitarbeiterin: „Aber da bin ich nicht das Publikum dafür”.

edison Pratersauna. 1020, Waldsteingartenstraße 135 (im Prater). Do bis So, 12 bis 22 Uhr. Weitere Informationen hier.

Ein Artikel von Dominik Ritter-Wurnig
Dominik Ritter-Wurnig
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