Das allererste Mal war für Michaela Kemeter ein Schock. Die Bäuerin aus dem Weinviertel kam am Samstagmorgen auf den Volkertmarkt, baute ihren Stand auf, legte Obst und Gemüse aus eigener Produktion auf die Holztische, wartete. Aber es kam niemand.
„Wahnsinniges Potential“
Kemeter verkauft die Waren ihrer „Gemüse-Manufaktur“ auch am Naschmarkt und am Karmelitermarkt. Von dort ist sie gewohnt, dass die ersten Kunden in der Früh schon auf sie warten. Am Volkertmarkt jedoch „war ich ganz allein. Da habe ich meinen Mann angerufen und ihn gebeten: ‚Bitte hol mich hier ab‘“.
Das war Ende Mai dieses Jahres. Kemeter hat damals doch nicht gleich wieder aufgegeben. Und heute sieht sie, „dass der Volkertmarkt ein wahnsinniges Potential hat“: Ein schattiger, luftiger Platz mitten in dicht bebauter Umgebung, kein Supermarkt, mehrere Lokale, viele Schulen. In der Umgebung wohnen viele Familien mit Kindern, die gern auf einem echten Bauernmarkt einkaufen würden. Dafür mussten sie bisher weit gehen.

Mittlerweile ist die Gemüse-Manufaktur Samstags schon nicht mehr allein. Bernhard Mayer betreibt einen Stand der „Käsehütte Maria Taferl“, und hat neben Milchprodukten auch Eier und Mehlspeisen im Angebot.
Daneben verkauft der Waldviertler Bauer Franz Rameder Wurst, Geselchtes und Putenpastete aus eigener Produktion. Auch Mohn gibt es bei ihm – sowie selbstgemachte Mohnzelten. „Den Erdäpfelteig macht die Gattin gemeinsam mit der Schwiegertochter“, erklärt Rameder. Und das „so gut wie niemand sonst auf der Welt!“.

So groß und überlaufen wie der samstägliche Karmelitermarkt wird der Volkertmarkt wohl nie werden. Doch genau die entspannte Atmosphäre scheint einigen der neuen Kunden zu gefallen. Michaela Kemeter sieht am Volkertmarkt Leute einkaufen, die sie zuvor am Karmelitermarkt bedient hat.
Das Marktamt greift ein
Tatsächlich wurde der Volkertmarkt schon oft totgesagt. Und in den vergangenen Jahren war er das auch schon - zumindest beinahe. Die Frequenz war gering. Ein Teil des fixen Marktes gehörte einem Unternehmen, das unter wechselnden Namen ein Lokal mit jüdisch-russischer Küche betrieb und die übrigen Stände als Lager zweckentfremdete.
2025 ging diese Firma endgültig pleite, und das Marktamt konnte die sechs Stände aus der Konkursmasse kaufen. Mit Mitteln aus dem Bezirksbudget wurden die Stände saniert. Drei sind nun bereits vergeben, ein Fleischer hat bereits geöffnet, ein Bäcker und eine Pizzeria folgen demnächst. Drei weitere Stände wurden im Juni zur Verpachtung ausgeschrieben.

Ende Juni wird gleich nebenan die Umgestaltung und Begrünung des Volkertplatzes fertig. Das werde dem Markt ebenfalls mehr Zulauf bringen, hofft Bernhard Mayer von der Käsehütte.
45 Jahre am Markt
Am samstäglichen Bauernmarkt hat sich über all die Jahre nur ein einziger Stand gehalten. Das Ehepaar Krautstofl verkauft mit stoischer Gelassenheit seit 45 Jahren, was bei ihnen auf dem Hof wächst. Derzeit sind das: Erdäpfel, Rhabarber, Mangold, Lavendel. „Gemütlich war‘s“, resümieren sie die letzten Jahrzehnte.
Mit Jahresende wollten die beiden aber aufhören. „Beim Kopfrechnen merk ich, wie alt ich bin“, sagt Frau Kraufstofl. Das Aufhören fällt ihr nun umso leichter, im Wissen, dass andere hierbleiben werden.

Michaela Kemeter von der Gemüse-Manufaktur hat einen Plan. Wenn sie darüber spricht, klingt es sogar, als hätte sie eine Mission. Einen Fischverkäufer hat sie schon überredet, der wird ab September seine Ware anbieten. Einen Bäcker sucht sie noch. Auch „ein Weinhändler wäre gut“, sagt Kemeter.
Oft kommen nun Kunden zu ihr, fragen leicht zweifelnd: „Werdet ihr durchhalten am Volkertmarkt?“ Kemeter antwortet dann sehr entschieden: „Wir halten nicht nur durch, wir werden hier etwas aufbauen, das Bestand hat. Und das ist ein Versprechen!“








