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Isabella von Paradeisa vor dem Tabularasa
Vom Feld auf den Tisch

Der Hofladen kommt ins Grätzl

Paradeisa bringt Lebensmittel direkt von kleinen Produzenten zu den Wienerinnen und Wienern. Jetzt gibt es erstmals auch Abholstationen in der Leopoldstadt und in der Brigittenau.
Der erste Paradeiser-Abholmarkt in der Brigittenau: Isabella Schieszler-Lotschak vor dem „Tabularasa“ beim Wallensteinplatz
© Christopher Mavrič

Es wäre doch schön, Lebensmittel direkt vom Bauern zu bekommen, sagt Isabella Schieszler-Lotschak: „Und zwar in allen 23 Wiener Bezirken.“ Gemeinsam mit Geschäftsführer Markus Sitek betreibt Schieszler-Lotschak den Online-Hofladen „paradeisa.at“. Bis jetzt belieferten sie Kundschaft vor allem im Süden und Westen Wiens sowie im südlichen Niederösterreich. Ab Oktober liefert Paradeisa aber auch nördlich des Donaukanals aus – im zwanzigsten und im zweiten Bezirk.

Auslieferung am Donnerstag

Das Konzept ist denkbar einfach: Landwirte aus Wien, Niederösterreich oder dem Burgenland bekommen Bestellungen direkt von den Konsumenten über die Online-Plattform. Dann wird ihr saisonales Obst, Gemüse, Eier, Fleisch, Brot oder Fruchtsäfte im Freigut Thallern gebündelt und einmal pro Woche zu den Paradeisa-Partnern in Wien und Niederösterreich geliefert. Als Abholstationen dienen Ateliers, kleine Lokale und Geschäfte. So wie jetzt auch in der Brigittenau.

Schieszler-Lotschak sitzt im Schanigarten einer Pizzeria und blickt über den Wallensteinplatz. Schon seit längerem habe sie mit Paradeisa in den 20. Bezirk expandieren wollen, erzählt sie. Nun hat sie mit dem „Tabularasa“ einen Abholmarkt in zentraler Lage gefunden. Die Kunden von Paradeisa können bis Dienstag kurz vor Mitternacht ihre Waren online bestellen und Donnerstagabend abholen. Dafür sperrt Wirtin Janin Wellbrock schon um 18 Uhr auf, eine Stunde früher als sonst. Und sie outet sich auch selbst als zukünftige Kundin: Sie könne alles bequem online bestellen und Donnerstags am Abend abholen, sagt Wellbrock: „Für mich heißt das Entlastungen wenn ich nicht zum Wochenmarkt gehen muss.“

„Je mehr Angebot, desto besser“: Isabella Schieszler-Lotschak und der Obstbauer Andreas Samm. Foto: Paradeisa.at

Dass genau gegenüber ein Bioladen Obst und Gemüse anbietet, sieht Schieszler-Lotschak nicht als Problem. Im Gegenteil: Je mehr Angebot, desto besser: „Es ist eine Ergänzung, belebt die Straße und zieht neue Kundinnen und Kunden an.“ Sie sieht Paradeisa auch nicht als Konkurrenz zu den FoodCoops, die es in der Brigittenau und der Leopoldstadt bereits gibt. Es geht darum, die klein strukturierte Landwirtschaft zu unterstützen. Paradeisa wolle vor allem eine Alternative zur Marktmacht der Supermarktketten bieten, die kleine Produzenten und Händler an die Wand drücke.

Abholung im Integrationshaus

In die Leopoldstadt konnte Paradeisa schon einmal liefern. Das war während der Pandemie, damals „als unser Konzept erstmals eine breite Bevölkerungsschicht erreichte“, erzählt Schieszler-Lotschak. Danach zogen sich die Betreiber der Abholmärkte im Zweiten freilich wieder zurück. Jetzt gibt es einen neuen Partner: Das „Willi“, der Begegnungsraum des Integrationshauses in der Engerthstraße.

Weil die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses die Organisation und Bestellungen übernehmen, können sie praktische Erfahrungen im Handel und im Kontakt mit Kundinnen und Kunden sammeln, sagt Nikolaus Heinelt vom Integrationshaus: „Sie verbessern ihre Deutschkenntnisse und kommen mit Menschen aus der Nachbarschaft in Kontakt. So fördert das Projekt die gesellschaftliche und soziale Teilhabe im Grätzl.“ Im Integrationshaus können die Waren am Donnerstag von 17 bis 19 Uhr abgeholt werden.

Begegnungen und eine Beziehung

Isabella Schieszler-Lotschak sieht dieses fixe und doch eher knapp bemessene Zeitfenster nicht als Nachteil: Dadurch, dass alle zur selben Zeit kommen müssten, würden Begegnungen und nachbarschaftlicher Austausch entstehen. Mehr noch: „In unseren Abholmärkten ist auch schon eine Beziehung entstanden.“

Aber wird durch Initiativen wie Paradeisa nicht nur ein Bobo-Publikum angesprochen? Keineswegs, entgegnet Schieszler-Lotschak: „Wir sprechen komplett unterschiedliche Kulturkreise an, weil wir Produkte zu fairen Preisen anbieten, die direkt von den Bauern kommen“. Zu den Kundinnen und Kunden zählten immer mehr Menschen, die aus Syrien oder der Ukraine stammen: „Die schätzen unsere Rohmilch, die sie dann selbst verarbeiten können. Und es ist ein Geschmack, den sie noch aus ihrer Heimat kennen.“

Expansion nach Transdanubien

Die ersten Bestellungen für Abholungen im 2. und 20. Bezirk können bei paradeisa.at ab 23. September aufgegeben werden. Schieszler-Lotschak würde in den Bezirken gerne erweitern und den Sprung über die Donau in den 21. und 22. Bezirk wagen. Ein erster Markt am Bruckhaufen öffnet am 8. Oktober.

Mehr Informationen: Paradeisa.at, Das Willi, Tabularasa

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    Ein Artikel von Bernhard Odehnal
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