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Das Ernst-Happel-Stadion im Wiener Prater
Das Wiener Praterstadion ist in die Jahre gekommen. Der ÖSV möchte deshalb ein neues Nationalstadion samt Schneepalast
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Der ÖSV träumt von Skipiste in Wien

Der Österreichische Skiverband fordert eine Skihalle im Osten Österreichs und nennt als möglichen Ort - das Wiener Praterstadion.

Mit der U2 direkt an die Skipiste? Wenn es nach Roswitha Stadlober geht, klingt das wie die Zukunft des heimischen Skisports. Seit fünf Jahren führt sie den Österreichischen Skiverband durch stürmische Zeiten: Pandemie, schwindende Weltcuperfolge und der Spagat des Wintersports im Klimawandel. Bei einem ORF-Auftritt brachte Stadlober eine Idee ein, die seit einiger Zeit durch die Medien geistert: eine Skihalle in Österreich. „Es ist nur mehr eine Frage der Zeit, wann das realisiert wird“, gab sich die ÖSV-Chefin überzeugt.

„Mutige Überlegungen“

Als Wunschadresse nennt Stadlober den Wiener Prater. Weil seit Jahren über die Zukunft des Ernst-Happel-Stadions diskutiert wird, bringt die ÖSV-Präsidentin eine Kombination ins Spiel: „Warum nicht das Nationalstadion mit einer Skihalle verbinden? Da gibt es mutige Überlegungen.“ Doch wie konkret sind die Pläne?

Für Stadlober geht es dabei vor allem um die LeistungssportlerInnen. Weil heimische Gletscher im Hochsommer als Trainingsstätten zunehmend wegfallen, weicht das ÖSV-Team nach Chile oder Argentinien aus. „Die Überseetrainings sind alternativlos“, betont die ehemalige Slalomfahrerin.

Schnee fürs ganze Jahr

Eine Halle in Wien würde lange Reisezeiten sparen und ganzjährige Trainingseinheiten auf Schnee ermöglichen. Außerdem könnten SportlerInnen nach Verletzungen leichter an das Training herangeführt werden. Die rund 120 Skihallen weltweit seien für sie ein Beleg für die „Notwendigkeit“ einer solchen Infrastruktur.

Die Halle würde Reisezeiten ersparen, besonders für Schulen, sagt Roswitha Stadlober im ORF-Interview: Foto: Screenshot/orf.at

Wenige Tage später ergänzte die ÖSV-Präsidentin im Standard die Perspektive für den Breitensport: Gerade im Osten von Österreich sei der Zugang zum Skisport schwieriger geworden. Einige Skigebiete gebe es nicht mehr, in anderen sei die Schneelage unsicher. Eine Skihalle in Wien oder Umgebung wäre für viele leichter erreichbar – insbesondere für Kinder und Schulen. „Die Schulen sollten sowieso die größte Skischule Österreichs sein“, sagt Stadlober. Wenn Österreich seine „Skisport-DNA“ erhalten wolle, brauche es entsprechende Einrichtung.

Schröcksnadels Megaprojekt

Stadlober ist mit ihrem Ruf nach einer Skihalle in Wien nicht allein. Die Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner äußerte bereits Anfang des Jahres ihren Wunsch nach einer Skihalle in der Bundeshauptstadt – ohne sich auf einen konkreten Standort festzulegen. Ähnlich wie Stadlober argumentierte Zehetner mit der Notwendigkeit, den Zugang zum Skisport auch für den Breitensport zu verbessern.

Und bereits 2018 unterstützte der frühere ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel Überlegungen für eine Multifunktionshalle im Prater – inklusive Skipiste. Das von privaten Initiatoren vorgestellte Projekt „Arena Austria“ sollte das Ernst-Happel-Stadion durch eine große Sportarena für Sommer- und Wintersport ersetzen. Vorgesehen waren unter anderem Fußball, Skispringen, Parallelslalom und Publikumsskifahren. Kosten für das „Megaprojekt“? Laut Initiatoren rund 700 Mio. Euro. Realisiert wurde die „Arena Austria“ bislang nicht. Der ÖSV hat sich – auf Nachfrage von Zwischenbrücken – nicht geäußert, ob die „Arena Austria“ ein Vorbild für ihren aktuellen Vorstoß sein könnte.

Ausverkauft ist das Praterstadion heute vor allem bei Großveranstaltungen wie Helene Fischer. Foto: Bernhard Odehnal

Die Stadt Wien, als Eigentümerin des Ernst-Happel-Stadions, hält sich bei den Ideen bislang zurück. Schon den Vorstoß der Staatssekretärin Zehetner nahm das Büro von Sportstadtrat Peter Hacker (SPÖ) mit Überraschung zur Kenntnis. Der Vorschlag sei, laut einem Bericht von MeinBezirk, seinem Ressort damals „außer durch den Bericht nicht bekannt“ gewesen. Weder von politischer Seite noch von einem Sportverband oder einem möglichen Investor liege eine entsprechende Idee vor. Außerdem sei eine Skihalle im sogenannten Sportstättenentwicklungsplan nicht enthalten.

Keine Details bekannt

Und auch an der aktuellen Idee von ÖSV-Präsidentin Stadlober sei die Stadt nicht beteiligt: „Über die Idee einer Skihalle haben wir aus Medienberichten erfahren, genauere Details – wie etwa Finanzierungen oder überhaupt Machbarkeiten – sind uns nicht bekannt“, erklärt das zuständige Magistratsamt auf Anfrage von Zwischenbrücken. Und: Ein Austausch mit dem ÖSV habe bislang nicht stattgefunden.

Wie viel Substanz steckt also hinter den Worten der ÖSV-Präsidentin? Auf Nachfrage von Zwischenbrücken beschreibt der Verband den Stand des Vorhabens: „Bislang hat es von unserer Seite weder konkrete Gespräche noch Machbarkeitsstudien, Planungen oder Kostenschätzungen gegeben“, räumt ein Sprecher des ÖSV ein. Auch auf einen möglichen Standort habe man sich nicht festgelegt. Dieser müsse „keineswegs in Wien liegen“. Die öffentlichen Aussagen Stadlobers hätten zunächst vor allem dazu gedient, „das Bewusstsein für das Thema“ zu schärfen, die Möglichkeiten einer Skihalle aufzuzeigen und eine Diskussion anzustoßen.

Beginn „eines möglichen Prozesses“

In den kommenden Monaten wolle man die Idee weiterverfolgen und erste Gespräche führen. Der ÖSV befinde sich derzeit „erst am Beginn eines möglichen Entwicklungsprozesses“. Eine schriftliche Anfrage beim Österreichischen Fußballbund (ÖFB), der sich für einen Neubau des Ernst-Happel-Stadions stark macht, blieb unbeantwortet.

Skihalle im Nordwestbahnhof
Die erste Skihalle im Wiener Nordwestbahnhof wurde 1927 errichtet und war kein Erfolg. Foto: Archiv ÖNB

Ein Blick in die Geschichte zeigt immerhin: Wien sammelte bereits vor 100 Jahren Erfahrungen mit dem Skifahren in der Halle. 1927 entstand im Nordwestbahnhof auf Initiative eines Norwegers bereits eine Skihalle. Nach anfänglichem Hype gingen die Besucherzahlen allerdings wieder zurück – und nach rund einem halben Jahr wurde das Projekt eingestellt.

Ob eine Piste im Prater dauerhaft Anklang fände? Klar ist vorerst nur: Die Fahrt mit der U2 direkt auf die Skipiste bleibt bis auf Weiteres eine Vision des ÖSV und seiner Präsidentin.

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    Ein Artikel von Sebastian Haller
    Sebastian Haller
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