Es ist kurz vor sieben am Abend. Auf der Grafenwiese steht Peter Blaha, den Rauchapparat „Smoker“ in der einen, ein Stockmeißel in der anderen Hand. Ein paar Bienen kreisen um seinen Kopf, er zuckt nicht zusammen. Erst als der letzte Rahmen wieder an seinem Platz ist, steht er auf, wischt sich die Hände an der Hose ab und holt aus der Kühltasche am Lastenrad zwei Gläser Honig. „Setz dich“, sagt er und deutet auf einen umgedrehten Bienenkisten-Deckel als Sitzgelegenheit. „Das schmeckt“, befindet er, während er den Deckel eines Glases aufdreht und mit einem Holzspatel kostet. Man glaubt es ihm, kaum dass man selbst gekostet hat.
Imker am Wochenende, Grafiker unter der Woche
Blaha arbeitet unter der Woche als Werbegrafiker in der Brigittenau. Neben dem Brotberuf machte er die Ausbildung zum Facharbeiter der Bienenwirtschaft.
Und so kommt er nun an Wochenenden und Abenden ins Landschaftsschutzgebiet Prater, wo die Wiesen nur einmal im Jahr gemäht werden. Hier wachsen Kastanien, Robinien – die Wiener sagen Akazien dazu –, Linden, Weiden, Götterbäume, Dirndlsträucher. Hier stehen einige seiner Bienenvölker. Andere hat er in seinem Kleingarten und ein paar Völker stehen auf dem Dach des neuen Bio-Restaurant von Kolariks Luftburg im Wurstelprater. Deshalb gibt es in Kolariks Shop eine eigene Luftburg-Edition als Glas, im Lokal auch offen zum Tee.

Honig geerntet wird erstmals Ende Mai: Da blühen die Rosskastanie, Obstbäume in den Kleingärten der Umgebung und die Akazie am Bahndamm. Die zweite Ernte folgt im Juli: Sommerlinde, Winterlinde, Silberlinde, dazu Götterbaum und Schnurbaum. „Jede Tracht schmeckt anders, und jede erzählt was anderes vom Prater“ sagt Blaha. Er lässt jedes Jahr den Honig in einem Labor prüfen, er trägt das Österreichische Honiggütesiegel.
Zwei Packtaschen genügen
Für die Hauszustellung in der Leopoldstadt oder der Brigittenau braucht Blaha kein großes Gefährt. Rad und zwei Packtaschen reichen, da gehen bis zu 48 Gläser hinein. „Ich klingle, die Tür geht auf, man redet zwei, drei Minuten, dann geht es weiter“.
Für die Bienenstöcke und die Marktstände braucht es jedoch mehr Ladefläche als zwei Packtaschen: „Am Anfang war das ein alter Kinderanhänger, da ist gerade ein Volk hineingegangen“, erinnert sich Blaha. Dann halfen die Bezirksvorstehung der Leopoldstadt, die UNIQA und weitere Firmen aus dem 2. Bezirk beim Umstieg auf ein passendes Modell: ein Fahrrad-Anhänger namens „Carla Cargo“, mit der er bis zu 200 Kilogramm transportieren darf. Tischaufbau, Dach und Beleuchtung sind selbst gebaut.
Mit diesem Anhänger fährt er Samstags auf den Volkertmarkt oder den Vorgartenmarkt, manchmal zum Karmelitermarkt. Er steht mit Carla Cargo aber auch bei der Langen Nacht der Praterstraße oder bei der Christbaum-Party in der Luftburg. Firmen bestellen Honig bei ihm, als Mitarbeiter- oder Kundengeschenk. Der Prater-Honig ist aber auch als Hochzeitsgeschenk gefragt.
Am Markt und Ab-Hof
Wer Bio-Honig aus dem Prater will, meldet sich am besten für den Ab-Hof-Verkauf an oder trifft Blaha auf einem der Märkte. Erhältlich ist der Honig auch bei der FoodCoop Stadtgut in der Großen Stadtgutgasse 23. Oder man wartet einfach, bis draußen zufällig Blaha mit seinem Rad steht.
Einmal im Jahr öffnet er seinen Bienenstand für Interessierte - beim Tag des offenen Bienenstocks. Wer will, kann dort aus nächster Nähe sehen, wie Waben gebaut werden und wie Honig entsteht. „Die meisten haben Respekt vor den Bienen, aber keine Ahnung von ihnen“, sagt Peter Blaha: „Das eine soll bleiben, das andere möchte ich ändern.“
Prater-Honig – Bio-Imkerei, 1020, KLG Ober dem Heustadlwasser 65a.
Web: praterhonig.eu
Instagram: @praterhonig_bioimkerei_wien
Am Samstag, 7. November gibt es Prater-Honig, Honig-Kerzen sowie den aus Honig und Essig gemischten Oxymel-Sirup am Volkertmarkt, von 8 bis 12 Uhr








