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Macha Marufi und seine Mutter Umeda vom Kollektiv Christopher Mavrič
Neues Café im Zwanzigsten

Shakshuka am Brigittaplatz

Mahjub Marufi und seine Mutter Umeda haben in der Brigittenau das „Kollektiv XX“ eröffnet. Ihr Lokal bietet orientalisch inspirierte Küche und ausgefallene Kaffee-Variationen.
„Es war mir wichtig, ihr den Traum eines eigenen Lokals zu erfüllen“: Mahjub Marufi und seine Mutter Umeda im neuen Lokal „Kollektiv XX“
© Christopher Mavrič

Und dann geschah etwas, wovon viele Menschen in Wien träumen: Mahjub Marufi, genannt „Macha“, bekam eine Wohnung angeboten. 

Wie das passierte? Eines Morgens kam ein unbekannter Mann in Marufis Café „Kollektiv XX“ am Brigittaplatz und bestellte einen Kaffee. Und dann noch einen. Und noch einen. Und weil er wissen wollte, wie man so außergewöhnlich guten Kaffee brühen kann, kamen sie ins Gespräch.

Marufi schilderte seine Situation: Das Café am Brigittaplatz hatte er gemeinsam mit seiner Mutter erst ein paar Wochen zuvor eröffnet. Der Mann antwortete, dass er ums Eck ein Haus besitze mit ein paar freien Wohnungen, ob Marufi sich eine ansehen wolle? Natürlich wolle er, antwortete der 30–jährige. Für ihn war es „ein Volltreffer, seither lebe ich praktisch neben meinem Lokal“. 

Ein sympathisches Land

Vor 12 Jahren war Marufi, ein großgewachsener Mann mit schwarzem Vollbart und dunkler, sonorer Stimme, zum Studium der Betriebswirtschaft nach Wien gekommen. Seine Heimat Tadschikistan litt unter den Folgen eines langjährigen Bürgerkriegs. Marufis Vater war bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen, die Mutter zog ihn alleine groß. Österreich habe er sich extra ausgesucht, sagt Marufi, „weil die Ausbildung hier sehr gut ist und weil mich das Land von der Größe und der Natur her an meine Heimat erinnert hat. Es war mir einfach sympathisch.“

Erst arbeitete der junge Mann aus Duschanbe in einer Firma für Gebäudetechnik, doch es zog ihn zur Gastronomie. Wobei es eigentlich seine Mutter Umeda gewesen sei, präzisiert er, die immer schon von einem eigenen Lokal geträumt habe. Die Mutter hatte einige Jahre in Deutschland gelebt, bevor sie nach Wien zog. „Als sie nach Österreich gekommen ist, war es mir wichtig, ihr diesen Traum zu erfüllen“, erzählt der Sohn: „Sie soll bis zur Pension etwas machen, das ihr Freude macht. Kochen ist ihre größte Leidenschaft und sie hatte schon Erfahrung in der Gastro“. Also habe das perfekt gepasst.

Im Schatten der Brigittakirche

Nur die Suche nach einem geeigneten Lokal erwies sich als schwierig. Eine ehemalige Pizzeria am Brigittaplatz, im Schatten von Amtshaus und Brigittakirche, war dann „das einzige, das ich mir leisten konnte“. Viel von der Einrichtung habe er auf willhaben.at in der Rubrik „zu verschenken“ gefunden. Ein paar Sachen habe er dann noch gebraucht und billig gekauft. 

Die Einrichtung ist Second Hand, die Laterne stammt noch von der früheren Pizzeria: Das „Kollektiv XX“ am Brigittaplatz 15. Foto: Christopher Mavrič

Mutter Umeda steht nun in der Küche, backt Kuchen, probiert alte Rezepte aus und erfindet neue Kombinationen traditioneller Speisen. „Die tadschikische Küche ist für österreichischen Geschmack viel zu fettig“, sagt Umeda, „das musste ich anpassen. Ich selbst habe mich auch schnell daran gewöhnt“. Ihre Spezialität ist Shakshuka, diese orientalische Mischung aus Tomaten, Zwiebel, Paprika und Eiern, die hier auf einem getoasteten Brot serviert wird. Bei den Zutaten wird auf Qualität geachtet: Das Brot kommt von „Joseph“, Obst und Gemüse wenn möglich aus der Region. 

„Wir sind etwas weicher“

Mahjub ist im „Kollektiv XX“ für das Service und den Kaffee zuständig. Das sei schon immer sein Hobby gewesen, sagt er, und nun sei er immer auf der Suche nach Perfektion. Dafür tauscht er sich auch mit den Baristas im zweiten Bezirk aus, mit Laurent Pfeiffer von „Beandependent“ oder Robert Mitmansgruber von „Kafana“.  

Aus Tadschikistan hat Mahjub Marufi einerseits die Sprache mitgenommen. Er spricht zwar perfekt Deutsch, mit seiner Mutter unterhält er sich aber in einer Mischung aus Russisch und dem mit dem Persischen verwandten Tadschikisch. Geprägt habe ihn aber auch die tadschikischen Mentalität, sagt er: „Wir sind sehr freundlich, serviceorientiert und etwas weicher als die Menschen hier“. Österreich sieht er dennoch „als meine Heimat“. 

Und woher kommt der eher ungewöhnliche Name für das Café? Marufi lächelt: „XX für den 20. Bezirk ist doch logisch. Und ‚Kollektiv‘ ist einfach ein Wort, das man sich leicht merkt. Mehr steckt nicht dahinter.“

Kollektiv XX, 1200, Brigittaplatz 15, Di bis So 10 bis 16 Uhr.
www.instagram.com/kollektiv.vienna/

Ein Artikel von Bernhard Odehnal
Bernhard Odehnal
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