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32 Volksschulen gibt es in der Leopoldstadt und der Brigittenau. Der Bildungskompass bietet erstmals eine Vergleichsmöglichkeit
Bildung im Vergleich

So gut sind die Volksschulen in Zwischenbrücken

Der neue Bildungskompass macht erstmals sichtbar, wie Volksschulen bei Tests in Deutsch und Mathematik abschneiden. Wir haben die Ergebnisse für den 2. und den 20. Bezirk ausgewertet.

Was ist eine gute Schule? Diese Frage ist gar nicht leicht zu beantworten. Naheliegend wäre, die Leistungen der Kinder zu vergleichen. Tatsächlich finden in der 3., 4. , 7. und 8. Schulstufe jährlich die sogenannten iKMPlus-Testungen statt, bei denen alle Kinder im ganzen Land dieselben standardisierten Fragen in Deutsch und Mathematik beantworten müssen. Die Ergebnisse dieser Tests werden nicht benotet und bleiben anonym. Gleichzeitig werden sie statistisch intensiv beforscht.

Messungen waren geheim

„iKMPlus“ ist die Abkürzung für „individuelle Kompetenzmessung PLUS“. Bisher waren die Ergebnisse dieser Messung ein gut gehütetes Geheimnis. Nur Bildungsdirektionen und Bildungsministerium wussten, an welchen Standorten die Kinder besonders gut, und an welchen sie besonders schlecht abschneiden. Viele Eltern wüssten das wohl ebenfalls gern – bisher hielt man sie von diesen Informationen allerdings fern. So wollte man vermeiden, dass vermeintlich „schlechte“ Schulen öffentlich an den Pranger gestellt werden, und niemand mehr seine Kinder dort anmelden will.

Die Spitzenreiter

Sechs Schulen liegen in Deutsch und Mathematik im oberen Drittel.

Die Spitzenreiter – Vergleich der Volksschulen
SchuleDeutschMathematikChancen-bonus
GTVS 20., Spielmanngasse 1 ★★★ ★★★ Ja
Private Volksschule St. Elisabeth,
2., Leopoldsgasse 1A
★★★ ★★★ –
VS „Kunst in der Schule“, 2., Czerninplatz 3 ★★★ ★★★ Ja
VS 2., Wittelsbachstraße 6 ★★★ ★★★ –
VS 2., Wolfgang-Schmälzl-Gasse 13 ★★★ ★★★ –
Beth-Jakow-Schule d. Vereins Hadass, 2., Große Stadtgutg. 24 ★★★ ★★★ –
Quelle: Bildungskompass des Bundesministeriums für Bildung

Nun lüftet Bildungsminister Christoph Wiederkehr dieses Geheimnis. Allerdings nur einen winzig kleinen Spalt. Der sogenannte „Bildungskompass“, eine bundesweite Landkarte, gibt erstmals einen Einblick, wie die österreichischen Volksschulen bei den iKMPlus -Tests der vergangenen drei Jahre abgeschnitten haben.

„Fairer Vergleich“

Die Ergebnisse werden jedoch nicht direkt verraten. Angezeigt wird bloß, wie gut die jeweilige Schule im Vergleich mit anderen Schulen liegt, an denen die Kinder ähnliche soziale Voraussetzungen mitbringen. In der Forschung nennt man das den „fairen Vergleich“.

Das Mittelfeld

Weitere 18 Schulen mit unterschiedlichen Ergebnissen in Deutsch und Mathematik.

Das Mittelfeld – Vergleich der Volksschulen
SchuleDeutschMathematikChancen-bonus
Volksschule Wilhelm Engerth,
20., Engerthstraße 134
★★★ ★★ Ja
Regenbogenvolksschule, 2., Darwingasse 14 ★★ ★★★ Ja
GTVS Josefine-Lauterbach-Platz,
2., Josefine-Lauterbach-Platz 1
★★ ★★★ Ja
Thalmud-Thora-Schule, 2., Malzgasse 16 ★ ★★★ –
Evangelische Schule, 2., Nepomukgasse 2 ★ ★★★ –
Bunte Schule, 20., Treustraße 55 ★★ ★★ Ja
VS 20., Durchlaufstraße 23 ★★ ★★ Ja
GTVS 2., Aspernallee 5 ★★ ★★ –
GTVS Gertrude-Fröhlich-Sandner-Campus,
2., Ernst-Melchior-Gasse 9
★★ ★★ –
GTVS NOVA, 2., Novaragasse 30 ★★ ★★ Ja
GTVS der Wiener Sängerknaben,
2., Obere Augartenstraße 1 C
★★ ★★ –
VS 2., Vorgartenstraße 191 ★★ ★★ Ja
VS 2., Kleine Sperlgasse 2 A ★★ ★★ Ja
GTVS, 2., Vereinsgasse 29 ★★ ★★ –
GTVS Robert Blumgasse,
20., Robert-Blum-Gasse 2
★ ★★ Ja
VS Lauder Chabad,
2., Rabbiner-Schneerson-Platz 1
★ ★★ –
VS Krieau, 2., Vorgartenstraße 208 ★★ ★ Ja
Beth-Jakow-Schule für Mädchen,
2., Simon-Wiesenthal-Gasse 3
★ ★★ –
Quelle: Bildungskompass des Bundesministeriums für Bildung

Warum das sinnvoll ist, lässt sich an einem Beispiel erklären. Eine Privatschule mit vielen Akademikerkindern in einer noblen Wohngegend wird bei einer Deutsch-Testung sicher besser abschneiden als eine öffentliche Schule in einem Wiener Arbeiterbezirk, wo kaum ein Kind Deutsch als Muttersprache hat. Mit diesem Testergebnis hat man allerdings nicht die Qualität des Unterrichts an den beiden Schulen gemessen, sondern bloß die Zusammensetzung ihrer Schüler:innenpopulation. Erst wenn man die Ergebnisse von Standorten miteinander vergleicht, die von der Zusammensetzung her ähnlich sind, kann man erfahren, wo besser gearbeitet wird.

Im neuen Bildungskompass wird für jede Volksschule nun dieser „faire Vergleich“ angestellt, und zwar mit drei Kategorien. Verraten wird, ob die Leistung der Schülerinnen und Schüler in Deutsch und Mathematik im oberen, im mittleren oder im unteren Drittel ähnlicher Schulen liegt.

Unteres Drittel in beiden Fächern

Fünf Schulen liegen sowohl in Deutsch als auch in Mathematik im unteren Drittel.

Unteres Drittel und ohne Bewertung – Vergleich der Volksschulen
SchuleDeutschMathematikChancen-bonus
GTVS Europaschule, 20., Vorgartenstraße 95 ★ ★ Ja
GTVS 20., Greiseneckergasse 29 ★ ★ Ja
VS 20., Leystraße 34 ★ ★ Ja
VS Vorgartenstraße 42 ★ ★ Ja
GTVS 2., Wehlistraße 178 ★ ★ Ja
Quelle: Bildungskompass des Bundesministeriums für Bildung

Zwischenbrücken hat die Ergebnisse aller Volkschulen in der Leopoldstadt und der Brigittenau hier zusammengetragen und in Tabellen zusammengefasst. Drei Sterne stehen dabei für das obere Drittel, zwei Sterne für das mittlere und ein Stern für das untere Drittel.

Außerdem wird im Bildungskompass erstmals transparent gemacht, welche Schulen zum österreichweiten Programm „Chancenbonus“ gehören. Diese Standorte haben besonders schwierige Voraussetzungen, etwa viele Kinder nichtdeutscher Muttersprache, oder solche aus sozial benachteiligten Familien.

Schulen ohne Bewertung

Für diese drei Schulen liegen keine vergleichbaren Ergebnisse vor. Daraus lässt sich keine Aussage über ihre Leistungen ableiten.

Schulen ohne Bewertung – keine Angaben zu Deutsch und Mathematik
Schule Deutsch Mathematik Chancen- bonus
Lernwerkstatt, 20., Vorgartenstraße 59 k. A. k. A. –
VS 20., Dietmayrgasse 1 k. A. k. A. –
VS Christine-Nöstlinger-Campus, Taborstraße 120 k. A. k. A. Ja

Standorte des „Chancenbonus“

Im 2. und 20. Bezirk sind das etwa zwei Drittel aller Volksschulen. Zum Ausgleich dieser Nachteile bekommen die „Chancenbonus“- Schulen zusätzliche Lehrkräfte und Ressourcen. Welche Standorte davon in diesem Schuljahr profitieren, steht ebenfalls in unserer Übersicht. Interessanterweise gehören auch hier die Standorte Spielmanngasse und Czerninplatz dazu.

  1. Wer sich jemals auch nur mit den einfachsten Basics von Statistik befasst hat (meist reicht auch der gesunde Menschenverstand), weiß, dass es bei jeder Verteilung ein oberes/mittleres/unteres Drittel gibt und dass darin folglich auch Daten zu finden sind. Neben Verteilungen (u.v.a.) gibt es übrigens auch noch Signifikanzen – diese würden darüber Aufschluss geben, ob in den Verteilungen Ergebnisse „überzufällig“ von den erwartbaren Werten abweichen – dies wurde jedoch vom BM NICHT veröffentlich (und wahrscheinlich auch nicht ausgerechnet)! D.h. wir wissen bei den veröffentlichten Daten nicht einmal, ob Ergebnisse überzufällig abweichen! Und falls, hätte das auch nicht unbedingt mit der Unterrichtsqualität zu tun und schon gar nicht mit den Kompetenzen der Kinder, sondern liegt im Wesen statistischer Verteilungen (je nach Signifikanzniveau weicht immer ein definierbarer Prozentsatz ab). Schlimm genug, dass das Bildungsministerium mit solchen Pseudo-Informationen operiert, aber noch viel schlimmer finde ich, dass Sie, die ich für kritische Journalist:innen gehalten hatte, dies völlig unreflektiert und ohne entsprechende erklärende Kommentare übernehmen und publizieren. Ich bin ehrlich empört.
    PS: falls Sie glauben, ich ärgere mich, weil ich mir auf den Schlips getreten fühle: nein, wir liegen überall im mittleren Drittel = im statistisch erwartbaren Bereich für unseren sozioökonomischen Background (= „fairer Vergleich“). Ich habe Ihnen nur fälschlich mehr Kompetenz beim Interpretieren von Statistiken sowie im Umgang mit öffentlichen Aussagen zugetraut. Offenbar ein völliger Einschätzungsfehler.

  2. Danke für diesen gut recherchierten Artikel. Das Heraussuchen der Daten und Einteilen in Gruppen war sicher mühsam.

    Traurig ist, dass 2/3 der Schulen den Chancenbonus benötigen.

    Dessen Erfolg ist schwer einzuschätzen, da, wie die Kommentatorin Frau Lener oben schreibt, nicht klar ist, wie große der Abstand zwischen den drei Gruppen (den drei Dritteln) wirklich ist, da die Stadt keine Aussage zur Signifikanz (Überzufälligkeit) macht.

  3. Bravo und Super. Wilhelm Engerth Schule in 1200 Wien

  4. Ich stelle die Frage in den Raum, in wie weit ein Einblick durch einen „winzig kleinen Spalt“ geeignet ist fair zu beurteilen „wie in einer Schule gearbeitet wird“.
    Wie kann es sein, dass eine Schule im unteren Drittel – genau genommen diejenige, die als Schlusslicht aus diesem Vergleich hervorgeht – von weit mehr Schüler:innen mit AHS-Reife abgeschlossen wird, als Schulen in allen erwähnten Vergleichskategorien? Ganz genau waren es 72,2 % im Schuljahr 2023/2024.
    Wem der Einblick durch einen „winzig kleinen Spalt“ nicht ausreicht, oder wer einfach neugierig geworden ist, ist herzlich eingeladen, an einem der Tage der offenen Tür – am 14., 15. und 23. Oktober – vorbei zu kommen und sich ein Bild zu machen, wie wir arbeiten.

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Ein Artikel von Bernhard Odehnal
Bernhard Odehnal
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