Immer weniger Autos in Zwischenbrücken
Die Bevölkerung in der Leopoldstadt und der Brigittenau wächst deutlich. Gleichzeitig geht jedoch die Zahl der in diesen Bezirken gemeldeten Autos deutlich zurück.
Text und Grafik: Markus Müller

Wien ist immer noch eine Stadt, die vom Auto dominiert wird. Ein Großteil des öffentlichen Raums steht dem fließenden oder dem ruhenden Individualverkehr zur Verfügung. Schaut man sich die Zahlen an, gibt es dafür eigentlich keinen Grund. Dabei geht sowohl in der Brigittenau als auch in der Leopoldstadt die Zahl der Autos pro Kopf seit Jahren deutlich zurück. Und auch im Vergleich mit anderen Wiener Bezirken und anderen Regionen Österreichs liegen die beiden Bezirke sehr weit unten.
Wie die aktuellen Zahlen der Statistik Austria zeigen, waren in der Leopoldstadt 2024 im Vergleich zum Vorjahr 697 Kraftfahrzeuge weniger gemeldet. Das ist ein Rückgang von 2,1Prozent. In der Brigittenau waren um 55 Autos weniger gemeldet – ein Rückgang von 0,2 Prozent. Rechnet man das auf die durchschnittliche Länge eines Autis um, sind damit fast 4 Kilometer an Parkspuren in den beiden Bezirken frei geworden.
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Die Brigittenau gehörte immer schon zu den Bezirken, in denen es besonders wenig Autos gibt. Pro 1000 BewohnerInnen waren hier zuletzt 270 KFZ angemeldet. Geringer ist dieser Wert nur in Margareten und in Rudolfsheim-Fünfhaus. Zum Vergleich: Die höchste Fahrzeugdichte gibt es im niederösterreichischen Bezirk Waidhofen an der Thaya mit 767 Autos. In Wien liegt Liesing mit 516 Autos pro 1000 EinwohnerInnen an der Spitze. Die Tendenz dort ist weiter steigend, ebenso wie in den Flächenbezirken Donaustart und Floridsdorf. In Zwischenbrücken geht der Autobesitz pro Kopf hingegen seit Jahren deutlich zurück.
Die vorliegenden Daten zum Autobesitz in Wien reichen 23 Jahre zurück. Im Jahr 2002 lagen die beiden Bezirke noch fast gleich auf. 346 Autos pro 1000 EinwohnerInnen waren es in der Leopoldstadt, 334 in der Brigittenau. Seit damals sind beide Bezirke stark gewachsen: Heute wohnen etwa 8 Prozent mehr Menschen auf der Insel zwischen Donau und Donaukanal als damals. In der Leopoldstadt stieg in dieser Zeit auch die Zahl der gemeldeten Autos weiter an. Sie erreichte ihren Höhepunkt gegen Ende der Corona-Pandemie im Jahr 2023. Im Vorjahr sank sie jedoch deutlich.
Ein bisschen anders schaute es in der Brigittenau aus. Hier sank die Zahl der gemeldeten Autos über Jahre hinweg konstant. Heuer ist der niedrigste Wert seit mehr als 20 Jahren erreicht.
Die Statistik zeigt auch, dass Autobesitz in Zwischenbrücken inzwischen ein Minderheitenprogramm ist. Von je 1.000 Bewohnerinnen und Bewohnern der Brigittenau haben 730 kein eigenes Auto. In der Leopoldstadt sind es 693.
Die aktuellen Daten lassen zwar keinen Aufschluss zu, wie sich die Autos auf die Haushalte verteilen. Ein Vergleich mit älteren Daten läßt aber den Schluss zu, dass sowohl in der Brigittenau als auch in der Leopoldstadt vermutlich die Mehrheit der Haushalte ohne Auto auskommen.

Dieser Trend dürfte sich in den nächsten Jahren weiter fortsetzen. Die Stadt Wien plant den Anteil des Autoverkehrs in den nächsten Jahren noch weiter zu senken. Laut den letzten Daten des sogenannten „Modal Split“ haben die WienerInnen im letzten Jahr 25 Prozent aller Wege in der Stadt mit dem Auto zurückgelegt – der Rest entfällt auf Öffis, Fahrrad oder zu Fuß. Das selbst gesteckte Ziel der Stadt ist es, diese Zahl in den nächsten Jahren weiter auf 20 Prozent zu senken. Und wo weniger Wege mit dem Auto zurückgelegt werden, braucht es auch insgesamt weniger Autos – und daher auch weniger Platz für Autos bei der Gestaltung des öffentlichen Raums.
Ein Blick über den Donaukanal zum Vergleich: Hier geht es zur aktuellen Statistik der gemeldeten Autos im 18. Bezirk.
Wallensteinstraße: Weiter warten auf das Ergebnis der BürgerInnen-Befragung
Die Bezirksvorstehung will die Auswertung zwar öffentlich machen, zögert den Zugang aber hinaus
Text: Nac Küçüktekin

Wenn in der Brigittenau immer weniger Autos gemeldet sind, sind dann wirklich noch so viele Parkplätze notwendig? Und was heißt das für den Umbau der Wallensteinstraße, der seit vielen Jahren versprochen wurde? Im Frühjahr 2024 befragte die Bezirksvorstehung die Bürgerinnen und Bürger, was sie sich für die Umgestaltung wünschen. Die Ergebnisse sollten ausgewertet und in die Planung der Wallensteinstraße Neu einfließen. Doch die Auswertung wurde von der Bezirksvorstehung nie veröffentlicht.
Erst nach den Berichten von „Zwischenbrücken“ (siehe hier) und des ORF sowie einer Anfrage der Grünen verkündete Bezirksvorsteherin Christine Dubravac-Widholm vergangene Woche, dass das Ergebnis der Befragung nun ausgewertet und für alle öffentlich einsehbar sei.
Ende gut, alles gut?
Als die Reporterin von Zwischenbrücken am Montag in der Bezirksvorstehung die Auswertung sehen will, gewährt man ihr nur einen Blick auf die Ergebnisse. Auf einem Bildschirm zeigt man ihr eine Excelliste, die kaum neue Erkenntnisse liefern. Lediglich, dass in den 571 Antworten am häufigsten mehr oder bessere Radwege gewünscht werden.
Was genau passiert nun mit diesen Ergebnissen? Wird es weitere Analysen geben und inwiefern fließen diese in den Umgestaltungsprozess der Wallensteinstraße ein? Diese Fragen wurden bei dem kurzen Termin nicht beantwortet. Für eine ausführliche Sichtung der Auswertung musste die Reporterin einen gesonderten Termin ausmachen. In zwei Wochen sei ein Slot frei, teilte der Büroleiter der Bezirksvorsteherin mit. Wieso es so lange dauert, bis man eigentlich öffentlich zugängliche Daten sichten darf? Auch das wurde nicht beantwortet.
Markus Müller beschäftigt sich als Journalist mit der weiten Welt östlich von Wien. Weil er nicht nur in die Ferne schweifen wollte, hat er 2020 den Bezirks-Blog www.unser-waehring.at gegründet.
Naz Küçüktekin hat journalistische Erfahrungen unter anderem bei Kurier, Profil und Biber gesammelt. Sie lebt in der Brigittenau hat mehrere Preise gewonnen, unter anderem den Wiener Journalismus-Gesundheitspreis.