Essen als Therapie
Im „Zimmer 37“ auf dem Karmelitermarkt wird Biogemüse nach den Lehren der Traditionellen Chinesischen Medizin zu Mittagsmenüs verarbeitet.
Text und Foto: Bernhard Odehnal

Viel kleiner könnte ihr Arbeitsplatz nicht mehr sein. Auf geschätzten fünf Quadratmeter muss Iris Feeback zwischen Herd und Regalen mit Tellern und Töpfen und Pfannen jonglieren, Suppen rühren und Kuchen backen. Täglich außer Sonntag und Montag steht die gebürtige Oberösterreicherin im «Zimmer 37» auf dem Karmelitermarkt. Es ist der einzige Stand auf dem Markt, der ausschließlich Waren aus kontrolliert biologischem Anbau und Produktion anbietet.
Feebacks Stand ist für den Verkauf von Lebensmitteln bestimmt. Zu kaufen gibt es hier diverses für den täglichen Bedarf. Obst und Gemüse, Brot, Eier, Fruchtsäfte, Bier. Aber das ist nur ein Teil des Geschäfts. Die Marktordnung erlaubt ihr, das Gemüse, das sie von einem Biobauer aus ihrem Heimatort Eferding bekommt, vor Ort zu verarbeiten. So kann sie täglich ein vegetarisches Mittagsmenü anbieten und alternativ dazu eine vegane Suppe.
Hirselaibchen statt Döner
Feeback nennt das «therapeutisches Kochen». Denn bevor sie das «Zimmer 37» übernahm – damals noch unter ihrem Mädchennamen «Haidacher» – machte sie eine mehrjährige Koch-Ausbildung nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Mit Esoterik habe das nichts zu tun, sagt die ehemalige Werbegrafikerin, die nur durch Zufall den Weg zum Kochen fand: Das Essen solle schmecken und gleichzeitig den Körper möglichst wenig Energie zur Verdauung kosten.
Selbst auf dem hippen Karmelitermarkt ist es nicht leicht, sich mit diesem Speisenkonzept gegen die Konkurrenz von Döner und Burger durchzusetzen. Dennoch gibt es immer mehr Menschen aus den umliegenden Büros und Geschäften, die das leicht verdauliche Mittagessen schätzen. Und auch die stets entspannte Atmosphäre. Die wenigen Tische im und vor dem Zimmer 37 sind zwischen 12 und 14 Uhr meist belegt, weshalb sich um diese Zeit eine Reservierung lohnt.

Es gehe nicht um eine Ideologie des Essens, sagt die Köchin. Weshalb in den Wintermonaten auch mal mit Fleisch gekocht wird. Eine Hühnersuppe wird nämlich auch nach TCM-Regeln als besonders wärmend empfohlen. Und dann holt sie einen duftenden Apfelkuchen aus dem Rohr. Der darf dann auch mit Schlagobers gegessen werden. Es gehe vor allem ums Wohlfühlen, sagt Iris Feeback. Und das größte Lob sei, wenn die Gäste feststellen: «Bei dir passt einfach alles.»
Zimmer 37: 1020, Karmelitermarkt Stand 37-39
Telefon: 0699 172 373 11 office@zimmer37.at https://zimmer37.at
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 – 18 Uhr Samstag 8 – 14 Uhr Sonntag, Montag und Feiertage geschlossen.
Bernhard Odehnal lernte Journalismus bei der Stadtzeitung „Falter“ und war danach als Korrespondent und Reporter für österreichische und Schweizer Medien tätig. 2025 kehrt er mit der Gründung von „Zwischenbrücken“ in den Lokaljournalismus zurück. Er lebt in der Leopoldstadt.